Befreiung vom Sklavenbewusstsein

Große Dinge brauchen Zeit. In mir hat ein Wandel stattgefunden, der sich über Jahre angebahnt hat – nun ist er eingerastet und auch in meinem Bewusstsein gelandet. Er verankert sich gerade wieder neu im Körper und in meinem Alltag:
Ich bin gefühlt durch ein Nadelöhr gegangen, und mein Selbst hat sich von meinem Ego emanzipiert.

In die Größe gehen

Mit „Selbst“ meine ich die stille Seite in uns, das tiefe Wissen, die berührbare Seite, die leise Stimme, das feine Gespür dafür wie es eigentlich gehört, auch wenn es unbequem oder traurig oder unangenehm ist. Aber halt wahr.
„Selbst“ meint die Seele, unsere Verbindung zum Göttlichen.
Das Sein, das einfach da ist, die Stimme der Wahrheit, die tiefe Verbundenheit mit dem, was ist. Sie darf wieder das Ruder übernehmen. Still und klar. Sie darf jetzt die Führung übernehmen und sich nicht mehr beirren lassen. Das ist die Herausforderung. Jeden Tag.
Viele von uns ahnen, dass es Zeit ist, endgültig den Schritt in die Freiheit zu gehen – und in die eigene Größe.

Befreiung vom Sklavenbewusstsein

De facto sind wir noch Sklaven unseres Egos: wir handeln auf der Basis von Ängsten, Prägungen und Erwartungen. Darüber steuert unser Ego uns. Wenn wir schon länger auf dem Weg sind, ist diese Steuerung oft ganz subtil – und die Worte mögen weise und fortschrittlich klingen, aber das ist nicht alles…
Das Sklavenbewusstsein ist nach wie vor in uns installiert.
Äußerlich ist der Sklavenhandel seit 1807 abgeschafft. Ein großer Schritt in der Geschichte der Menschheit, dachte man doch, die Weltwirtschaft würde ohne kostenfreie Arbeitskräfte zusammenbrechen.
Innerlich sind wir erst am Beginn der Ära, uns vom Sklaven-Bewusstsein zu befreien. Das ist oft sehr versteckt und nicht so leicht erkennbar.

Das ist mein Messinstrument wie sehr ein Ego aktiv ist:
Ist der Raum, der von jemand oder von mir, aufgespannt wird, weit? – Oder eng?
Ist es ein Schwert der Wahrheit, das mit trifft, wenn jemand oder ich spreche? – Oder geht es ums Rechthaben?

Befreiung – bei mir kam das so…

Ich bin kürzlich aus einer Gruppe herausgetreten, auch wenn es ein Abschied war. Aber zugleich eine Befreiung.
Die innere Stimme meines Egos sagte mir: „ich will dazugehören“. Mein ganzes inneres Bestreben war, wenn ich ehrlich zurückschaue, seit Jahrzehnten darauf ausgerichtet, endlich einmal dazu zu gehören. Ich habe in Gruppen und Gemeinschaft nach der Zugehörigkeit gesucht, die ich mir innerlich ersehnte.
Schon vor einem Jahr hatte ich eine Gruppierung gefunden, die mir sehr zusagte. Ich habe viel gelernt und mitgenommen in den Treffen und war letztes Jahr auch zum Inneren Kreis eingeladen. Und dort geschah etwas, das ich mir nicht erklären konnte: etwas passte nicht. Auch wenn äußerlich so viel Gutes da war. Im Schock und wie benommen, eingefroren, bin ich herausgetrudelt.

Trauma und Schock – heilende Erfahrungen

Und ich rutschte sehenden Auges in eine weitere Schleife von traumatisierenden Mustern. Denn unser Ego hängt mit frühen Trauma-Erfahrungen zusammen, genau deshalb sagte es mir, ich solle Zugehörigkeit suchen. Aber das Ego führt uns auf Schein-Wege.
Und oft tragen wir diese unerlösten Muster über Generationen oder viele Leben mit uns herum. Bis wir sie hier und heute endlich erlösen können.
Ich konnte diese Muster und die Schleife vor einem Jahr noch nicht durchschauen und auflösen. Auch wenn ich Traumatherapie (SE – Somatic Experience) mit dem Rückbezug und dem Wieder-Ankommen im Körper als ein ganz grundlegendes Element schätze.
Im letzten Jahr habe ich neben der Traumatherapie eine zusätzliche Erlösungsweise kennengelernt:
Ein Trauma löst sich energetisch, wenn ich in der Lage bin, die aufsteigende Trauma-Energie körperlich ganz aufsteigen zu lassen, sie in einem weiten Raum von Präsenz, Weite, Verbundenheit, Einssein zu halten ohne etwas mit ihr machen zu wollen. Sie kommt zur Ruhe, indem sie in den Kontext und Ursprung, in dem sie entstanden ist, eingeordnet wird. Und wenn das Licht des Bewusstseins herein scheinen darf und ich wieder in meine Größe gehe. Das fühlt sich teils an wie ein im Feuer-stehen. Ich lasse geschehen, dass die Energie verbrennt.
Es war für mich erstaunlich, dass mein Körper plötzlich ganz ruhig wurde und ich erlebte, dass meine Aufgabe ist, der Erfahrung, die ohnehin stattgefunden hatte, zuzustimmen, anstatt weiter zu suchen, sie ändern oder weg haben zu wollen.

Als ich dieses Jahr wieder auf einem spirituellen Seminar war, gab es am Ende die Gelegenheit zu wählen, auf welchen Platz ich gehen möchte. Dieses Mal war ich seelenruhig als ich merkte: ich bin bei mir, auf meinem Platz – ich habe keine Impuls, zur Gruppe zu gehören, mein Platz ist außerhalb, ich will nicht dazugehören. Das fühlte sich wahr an – und zugleich wie ein Schock, ein Abschied: ein Abschied von der Gruppe und vom Dazugehören-Wollen…

Dazugehören oder Größe?

Ich merke: ich habe keine Wahl als ehrlich mit mir zu sein und meiner Wahrheit zu folgen.
Das fühlte sich für mich an wie ein Sprung in den Abgrund.
Es kostete mich alles – gefühlt.
Mein Ego sah darin eine Katastrophe: ein Abschied von lieb gewonnenen Menschen, vom Dazugehören.
Und eine existentielle Angst meldete sich: „Ich schaffe es nicht allein. Wie kann ich so meinen Weg gehen, auf größere Projekte zugehen? Ohne Zugehörigkeit, Rückhalt?“
Ich konnte dieses Mal diesen für mich gefühlten Schock ganz erleben – und meine Wahrheit stehen lassen. Ich brauche dieses Mal nicht zu erstarren, wegzugehen, abzuschalten, so zu tun als ob nichts wäre.
Auf dem Nachhauseweg dringt in mein Bewusstsein: 

Ich habe schon so oft
meine Größe und meine Wahrhaftigkeit
für Zugehörigkeit geopfert.

Jetzt entscheide ich mich für meine Größe, für meine innere Stimme – koste es, was es wolle.
Und ich, mein Ego, verzichtet darauf, doch noch irgendeinen Hinterausgang zu nehmen, irgendeine Möglichkeit, doch noch woanders Dazugehören, Halt, Erlösung, Orientierung zu finden. Puh.
Und dann bleibt nur noch das Wahre übrig.

Was es braucht

Mir scheint, was es braucht, ist, dass wir die „Seelen-Bewegung nach unten“ erlauben:
– ins Loslassen der Kontrolle, ins Ankommen und Abgeben.
Und zugleich, dass wir die „Seelen-Bewegung nach oben“ gestatten:
– die Aufrichtung in Berührbarkeit, ins Sich-Zeigen, in das im-Feuer-stehen.

Ich erlebe es so, dass die Seelenbewegungen gleichzeitig stattfinden: die nach unten und die nach oben.
Beides fordert die Bereitschaft, der Wahrheit zu folgen, gnadenlos ehrlich zu sein. So komme ich in meine Größe.
„Anerkennen, was ist“
  klingt nach einer netten Übung, aber kann sehr radikal sein…

Meine Größe liegt da, wo meine Demut liegt.
Meine Demut bringt mich in meine Größe.

Was mir im Weg steht sind Anmaßung, Hochmut, ein spirituelles Ego.  Genauso aber auch eine falsche Kleinheit.
Ich persönlich habe gemerkt, dass ich mich immer noch klein mache. Und dass mein spirituelles Ego sich anderswo immer noch in den Vordergrund spielte… etwas beschämend, das alles zu merken ;)
Und wenn ich da durchgehe, dann bleibt nur noch das Sein – jede Erfahrung, die ist wie sie ist.

Die Größe SEIN

Jetzt ist
niemand mehr da,
der die Unmittelbarkeit zwischen mir und all dem, was ist, vermeiden hilft,
niemand mehr,
der den Aufprall der Weite auf der Enge mildert,
niemand mehr,
der mir die Verrücktheit der Welt erklärt ohne mich erneut zu verwirren.
Jetzt ist nichts und niemand mehr da, den ich zwischen mich und das Sein stelle.
Zwischen mich und den Ursprung allen Seins: Gott.

Das ist die Unerbittlichkeit des Seins.
Alles wahrzunehmen ohne ihm auszuweichen.
Das ist die Freiheit zu SEIN. Frei von der Diktatur des Egos.

Nelson Mandela erlangte einen beeindruckenden Reifegrad der Freiheit in der schwierigsten Schule, die ich mir denken kann: während seiner jahrzehntelangen demütigenden Gefangenschaft. Vor ihm verneige ich mich.
Wir haben andere – wenn auch verführerische Rahmenbedingungen – die uns dieses Nadelöhr vermeiden lassen.
Doch da ist auch der Druck unseres Alltags, und da sind die äußeren Katastrophen unserer Welt.
Ich bin kein Nelson Mandela und brauche es auch nicht zu sein. Ich habe meinen Platz, der sich mir eröffnen wird, wenn ich im Neuland weitergehe, Schritt für Schritt.

In die Welt gehen

Mit all diesen Erfahrungen gehe ich jetzt in die Welt.
Noch tiefer in das Neuland hinein.

Soweit von mir. –
Die Art der Abgründe auf dem Weg ins Neuland sind individuell ganz verschieden, das merke ich mit so wundervollen Menschen in 1:1 Wegbegleitungen.
Eines stimmt mich zuversichtlich: dass wir uns dort treffen, im Neuland! 

Wo stehst Du, wenn Du all das liest?
Was ist Dein Nadelöhr, Dein Abgrund?

Was willst Du beweisen, welche Hoffnung willst Du ums „Verderben“ nicht aufgeben?
Was willst Du bekämpfen, weil das sonst Dein „Aus“ bedeuten wäre?
Was willst Du nicht wahrhaben, weil es Deine „Existenz“ bedroht?
Was willst Du um „alles in der Welt „retten“?

Schreib gern etwas dazu – vielleicht ist es ein erster gewagter Schritt.
Wie gut, wenn wir merken: es ist dennoch möglich, diese Richtung einzuschlagen.

Viel Mut und Demut Dir von
Frederike*

*die Website läuft noch auf meine Zwillingsschwester Birte,  aber „drin“ ist schon Frederike…. Ja so ist´s im Leben. Hauptsache: loslegen, auch wenn es noch improvisiert ist… ;)

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