Demos für Würde: unsere Präsenz wandelt

Zeiten des Wandels bedeuten Verunsicherung. Solchen Zeiten hat die Menschheit überstanden, weil sie dann zusammengerückt ist und sich in Kreisen zusammengefunden hat, in denen sich das Wesentliche zeigt:
Dass wir einander haben und dass wir so gemeinsam Neues erschaffen können.

Im Büchlein von Ulrich Schaffer beleuchtet er sehr gut die Rechte, die die Würde und Selbstbestimmung und das Menschsein ausmachen, deshalb habe ich das als Titelfoto gewählt.
Rechte „haben“ ist wichtig, sich darauf zu besinnen. Und sie auch zu erfassen und zu leben, in einem wirklichen „Sein“, darum geht es für mich in der jetzigen Phase. Vom Haben zum Sein.
Und das zeigt sich aus meiner Sicht aktuell in der Bewegung, die von innen nach außen beginnt.

Demonstrationen – der Wille des Volkes erwacht

Die zahlreichen Demonstrationen in so vielen Städten am vergangenen Wochenende sehe ich als eine gute Entwicklung. Wie Christoph Pfluger es formuliert: „Der Souverän erwacht“.

Selbst in der Kleinstadt Bad Mergentheim gab es eine Demo bzw. Versammlung zum Einstehen für Grundrechte am Wochenende. Sie war eine friedliche, wohlwollende Veranstaltung, ca. 100 – 200 Menschen, dauerte eine gute halbe Stunde, mit Ansprachen, mit zwei umgeschriebenen Liedern zu „Die Gedanken sind frei“ und „Freude, schöner Götterfunken“. Dann war Abschied und Dank an die Stadtverwaltung und die Polizei für die gute Kooperation. Sehr rund.

Wie gehen wir mit Extremen um?

Was mich noch beschäftigt hat, war nicht die Anwesenheit der Polizei, aber, dass ganz hinten Menschen standen, die ich eher dem rechten Spektrum zuordnen würde.
Die Veranstalter haben klar gesagt, dass sie weder eine Bühne sind für rechts-faschistische noch für links-extreme Strömungen. Das war ein klares Statement und gut.

Wir brauchen nicht-würdevolles Verhalten nicht zu tolerieren,
sonst torpediert es gut gemeinte Veranstaltungen.
Zugleich bringt es wieder Trennung.

Und das ist ja das, was es in der Wandelbewegung jetzt braucht: dass wir uns nicht spalten lassen in alle denkbaren Richtungen. Es gibt genug Belächeln und Kritik und Geringschätzung von denen, die das Alte bewahren wollen udn Wandel fürchten.
Und gerade auf Demonstrationen führt Spaltung schnell zu ungünstigen Entwicklungen. Wenn Menschen selbst dieses Recht noch genommen wird, was sollen sie dann noch tun?
Und so unwohl mir selbst ist: Menschen haben immer einen Grund für ihr Verhalten, selbst wenn das in Extreme geht.

Wie gelingt Wandel dann auf der Straße?
Und wie gehe ich mit meiner Unsicherheit, meiner Angst um?

Meist wollen wir diese Gefühle wie Angst und Unsicherheit ja weghaben, uns davor schützen.
Aber das ist das Alte. Das Neue ist, sie zu benennen – das macht weich und schafft Verbindung. Wir können die Gefühlsebene, das eigene Innere, aussprechen und zudem nach der großen Klammer, dem Verbindenden suchen. Das bringt eine Wende*.

Neu wäre, auf der Bühne zu bekennen:


„Ich muss gerade mal etwas Persönliches sagen:
Wenn ich diese Laute und diese Rufe von dort hinten höre,
spüre ich Angst, Unsicherheit in mir.“

Atmen, Pause…

„Ich wünsche mir, dass wir hier alle stehen als Menschen.
Wir haben alle Würde verdient. Wir wollen alle in Würde leben.
Wir wollen alle hinschauen, wo es hingeht in der Gesellschaft.
Schön, dass alle hier sind. Schön, dass wir wach sind.

Was uns verbindet, ist unser Menschsein,
unsere Unsicherheit, unsere Angst,
und dass wir uns eine menschliche und lebenswertes Leben wünschen.
Dafür stehen wir hier.“

Hier ein Demonstrant in diesem kurzen 1-min Youtube-Video, der super respektvoll aus dem Herzen spricht.

Präsenz hebt alte Systeme aus den Angeln

Gopal Norbert Klein www.traumaheilung.net sagt in einem aktuellen Video (13 min): „Deutschland in Therapie“ Genau so werde das Abwehrsystem des alten Systems ausgehebelt, dass wir als Bürger*Innen nicht mit „Kampf, Flucht, Resignation“ reagieren, sondern in Verbindung gehen mit dem, was wir wahrnehmen und in unserer Mitte sind.
Dass wir auf diese Art eintreten für das, was wir wollen und Kontakt anbieten.
Das heißt, dass wir im öffentlichen Raum präsent sind und hinschauen – wie Zeugen. Wach, wohlwollend, aber klar in der Absicht.
Das ist eine neue Art des Handelns.

Genau diese neue Art des Handels braucht es jetzt. Für Franz Renggli, den Schweizer Forscher über Pränataltherapie und soziologische Auswirkungen von traumatischen Trennungen zwischen Müttern und Babies in der Geschichte, stehen wir gerade an einer kollektiven Schwelle, die entscheidend ist.
Mehr in seinem wirklich lohnenswerten Interview mit Lucia von Fürstenberg-Maoz hier.

Genauso sehe ich auch die aktuellen Kampagne von Campact mit zahlreichen Bürger-Anrufen bei Herrn Kretschmann für eine ökologische Wende statt Abwrack-Prämie, vorgechlagen von Campact. Fand ich gut :) Ich habe einige von den vorgeschlagenen Nummern durchgeklingelt und hatte schließlich eine sympatische Mitarbeiterin des Staatsministeriums an der Leitung, die selbst sagte, sie wäre selbst auch gegen die Abwrackprämie.
Auch die zig Emails an die Bundestagsabgeordneten für ein Recht auf Selbstbestimmung und körperliche Unversehrtheit statt ausgrenzenden Impfregeln finde ich eine passende Idee und habe gern mitgemacht.

Thomas Hübl nennt die Präsenz im öffentlichen Raum „Social Witnessing“.
Sein Team bietet im Rahmen des Pocket Projekts schon seit mehreren Wochen Treffen für Menschen an, um sich zuzuhören, miteinander in die Präsenz zu kommen, und um den eigenen Traumatmustern nicht mehr die Führung zu überlassen, sondern in Verbindung zu sein. Das ist kollektive Trauma-Heilung!

Innen wie außen – je mehr wir uns innerlich stabilisieren, umso mehr können wir äußerlich präsent und klar sein. Und das bewirkt etwas.  :)

In der Mitte bleiben und zum Schöpfer werden

Wir dürfen uns wünschen, wo es hingehen mag. Wir sind die Schöpfer unseres Lebens und unserer Gesellschaft.
Noch sind wir im Alten, aber wir sind mitten drin im Wandel dahin.
Wir dürfen uns jetzt gegenseitig stärken, helfen, verbinden. Denn es gibt genug Ängste, Sorgen, Nöte, mit denen viele konfrontiert sind. Und wer weiß, was noch alles kommt.
Also üben wir schon mal!
Wir dürfen immer mehr üben wie es geht, dass wir in unserer Mitte, in unsere Präsenz bleiben, komme was wolle. Und dass wir andere mitnehmen in diese Stabilität und Präsenz.

Wir lassen uns nicht in die Überlebensmechanismen
Kampf, Flucht, Resignation
oder gegenseitiges Denunzieren bringen.
Wir bleiben in der Verbindung zu uns – und zu anderen.
Wir nutzen neue Wege, um uns zu vernetzen.
Wir üben mit dem Herzen zu sprechen und mit dem Herzen zu hören.

So stabilisieren wir uns.
So verbinden wir uns.
So entfalten wir auch unsere Schöpferkraft.
So erschaffen wir Zukunft.

Eine neue Art von Demokratie erschaffen

Was für mich eine spannende Entwicklung ist:
am Samstag, dem 16.5. von 12 – 19 h findet die erste Online-Tages-Konferenz mit Open Space und Workshops von „Mehr Demokratie e.V.“ statt.
Christian Felber (Gemeinwohlökonomie) ist auch als Sprecher dabei.
Was wollen wir als Bürger?
Wie wollen wir Mitwirkung künftig gestalten?
Um all das geht es dabei: https://www.mehr-demokratie.de/

Wenn Du magst, schreib gern von Dir.

Herzliche und hoffnungsvolle Grüße von
Frederike

*Genau das habe ich einmal im Job als Vermittlerin in der Arbeitsagentur gemacht, als jemand der Behörde und in dem Fall mir massive Vorwürfe machte.
Nachdem ich sagte, ich fühlte mich ganz klein, eingeschüchtert, verunsichert und überfordert mit all dem, wurde die Person ganz kleinlaut und entschuldigte sich.

1 Kommentar Schreibe einen Kommentar

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    Sonntag, 17.Mai 2020_Danke-Danke-Danke;
    mir ganz aus „Herz & Seele“
    gesprochen, geschrieben, zitiert, zusammengetragen, merci.

    Credo: „Frieden, Tränen, Kapitulation“

    Lyrik bei Hilde Domin: „Es kommt die Nacht“

    PS. „We shall overcome“
    MfG, R.T.

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