Ein Tag für mich? – eine Beziehungsfrage…

….endlich mal wieder ein Vormittag, ein Tag für mich. ENDLICH!!!

Das hat jetzt echt lange gedauert mit den vielen – schönen! – Terminen und netten Wochenend-Vorhaben.
So schön alles ist – ich brauche auch ab und zu frei für mich.
Dann komme ich wieder bei mir an und in meinem Fluss und das, was durch mich das Licht der Welt erblicken möchte.

Ich habe frei. Es fühlt sich so gut an, still durch den Park zu gehen. Die Herbstluft zu spüren. Langsam zu gehen. Einfach bei mir zu sein. Zeit zu haben. Gerade nichts anderes zu tun als zu gehen.
Es ist nicht einfach, merke ich….der Sog will mich wieder in die Welt des Tuns ziehen. Er ruft „Du wolltest noch dieses machen – und jenes…“. Es zieht. Aber ich gehe weiter. Tauche wieder ein. Denn da ist auch das, was sich in mir nach Ruhe, Stille, Leere, Ankommen sehnt.

Es ist kühl, frisch, kostbar, still.
In mir ist eine Ruhe, die nichts anderes braucht.
Wie selten ist das. Und wie köstlich.

Meine Beziehung

Genau das ist auch in meiner Beziehung:
Ich habe diese Tage mit mir und mit meinem Mann gerungen: einen gemeinsamen Ausflug oder ein Tag für mich.
Ich habe mich gestern doch für einen Ausflug mit meinem Mann entschieden. Zwar zu meinen Konditionen, und er übernimmt auch das Fensterputzen unserer Wohnung. Aber so ganz war es doch nicht auf Augenhöhe, merkte ich im Anschluss:
Bin ich wirklich gesehen worden mit meinem Bedürfnis nach Ruhe, nach Landen, nach Dasein-Dürfen, nach Ankommen….nach Sortieren…. nach Raum für Schreiben oder was auch immer… Habe ich mich ganz darin gesehen und dem genug Gewicht gegeben? –
Ich will gemeinsame Zeit mit meinem Mann, ja gern.
Und ich will auch meines. Ja, ganz tief in mir sagt es zaghaft, dass meines jetzt auch mal Raum braucht.

Zwei Bedürfnisse

Er will etwas Gemeinsames unternehmen, will mich dabeihaben. Eigentlich nett.
Ich will etwas für mich, bei mir ankommen, Ruhe, äußere und innere Reinigung, Sortieren. Meinen Impulsen folgen. Zu nichts verpflichtet sein, nicht verplant sein.

Tief in mir wünsche ich mir, dass sein Bedürfnis und mein Bedürfnis nebeneinander stehen.
Ich möchte, dass auch meines gesehen wird. Dass es gewürdigt wird – neben seinem auf Augenhöhe und als eigener Wert.

Geht beides?

Gern will ich auch das in Gemeinsamkeit teilen:
Ein Ankommen – in der Stille der Natur.
Ein Auftanken – in der Weite der Landschaft und in der Frische des Herbstes.
Oder eine Freude und Inspiration – beim gemeinsamen Lesen eines Textes oder beim gemeinsamen Hören eines Interviews.
Oder ein Fluss und ein Sich-Erfahren – beim gemeinsamen kreativen Kochen eines Herbst-Menues, einfach nur so…
Oder ein Sich-Halten und Da-Sein – in jedem Moment, zwischendurch.
Ein Sehen und Gesehen werden – dessen, was mich gerade bewegt und dessen, was Dich gerade bewegt – in der Tiefe.
Im Alltag ist oft alles so laut und so schnell, aber an so einem Tag kann es sich setzen, ich kann die tieferen Strömungen wahrnehmen, alles kann seinen Platz finden.
Ich kann wahrnehmen, welche Richtung für mich, für uns darauf wartet, gelebt zu werden.

Was es von mir braucht…

Es meldet sich nur ganz zaghaft in mir, aber ich merke, was es von mir braucht. In mir sagt es:
Ich stehe auf für die Leere.
Ich beanspruche Raum für das Nichts.
Ich fordere Zeit für das Sein.
Ich will die Möglichkeit, in Kontakt mit mir zu sein – ohne, dass ich weiß, was kommt.
Ich möchte gewürdigt werden mit diesem Bedürfnis nach Innehalten.
Ich wünsche mir ein Eintauchen in eine Welt der inneren Freude, der Berührbarkeit und Inspiration.

Gemeinsam?

Geht das – gemeinsam. Kann ich da in Kontakt sein?
Habe ich das je erlebt – in dieser Welt?
Die so außenorientiert ist. Auch in unseren privaten Räumen und Beziehungen, in denen wir tun, unternehmen – oder uns zurückziehen, für uns sind? Diese zwei Pole gibt es. Wie oft ist in Freundschaften, Partnerschaften die Tür geöffnet für diese stille Tiefe, die wir gemeinsam erfahren?

„Hat ja gar nicht wehgetan“ sagte mein Mann neulich, nachdem wir einen Film geschaut haben, der mir wichtig war – ein spiritueller Film ;-)

Mein Blog….und wo ich jetzt gelandet bin

Puh, ich wollte schreiben über Zeit für mich. Über den Freiraum und wie wichtig er mir ist. Wie sehr er mir hilft, bei mir anzukommen, aufzutanken. Und wieder in meinen Fluss zu kommen, um von innen nach außen in die Welt zu treten.
Und jetzt bin ich schon einen Schritt weiter und schreibe über das Ankommen in mir – und wie ich das in Kontakt leben kann mit nahen Menschen um mich…

Anscheinend, fällt mir auf, bin ich in den letzten Wochen und Monaten in die Tiefe gewachsen. So dass sich jetzt, ganz vorsichtig, ein neues Stück von mir nach draußen ans Licht wagt ….

Das Neue in meinem Leben

Ich habe mich in den letzten Wochen sehr viel im Neuland aufgehalten: in meiner neuen Gruppe der Wegbegleiterinnen, bei den Tauberpionieren, in den tiefen 1:1 Gesprächen mit ganz besonderen Menschen.
Ich bin so dankbar, dass ich Menschen um mich habe, die auch weitergehen wollen – auf eine neue Ebene. Eine neue Ebene, nach der sie sich sehnen und für die es jetzt Zeit ist….
Ich bin sehr dankbar, dass diese Gruppen und Menschen in mein Leben gekommen sind.

Denn genau das ist es, was ich tun möchte: ich will diesem Besonderen, diesem Neuen, diesem Wagnis, diesem Zarten, diesem Ungekannten, noch Formlosen in die Welt verhelfen. Und zwar so, dass es ganz real wird. Dass es wirklich ankommt und groß wird, sichtbar, Bedeutung bekommt, einen Wert hat.
Und welchen Wert es hat! Denn es ist das, was heute in der Welt fehlt, und was unendlich kostbar ist.

All das Neue in meinem Leben in den letzten Wochen hat erst innerlich in mir gewirkt. Und so nehme ich von innen heraus meinen Platz in dieser Welt immer mehr ein – in der Beziehung und in meiner Form der Selbständigkeit.

Ich bin lange äußerlich nicht sichtbar, z.B. auf Facebook oder im blog oder Newsletter. Aber ich bin nicht weg. Ich bin mit Menschen in kleinem Rahmen in Kontakt, in der Tiefe. Ich erforsche und biete Raum, ich erfrage und benenne, ich hege und pflege und gieße und verbinde. Und ich, wir wachsen und werden kräftiger – gemeinsam im Neuland.

Ein großer Wandel

Gern würde ich ständig sichtbar sein, glitzern und erfolgreich wirken und online präsent sein. Aber ich merke: es ist ein Pendeln mit Phasen im Außen und Phasen im Innen. Genau das braucht es.
Das ist eine stille, aber große Revolution.

„Es heißt „be“ the change. Nicht „make“ the change.“ Vivian Dittmar

Manchmal will ich gern schon „fertig“ sein, oder fortgeschritten.
Und da bin ich nun: lernend, meinen Raum ganz langsam und sachte beanspruchend in der Welt, mit kleinen Schritten, jedes Mal wieder neu und zerbrechlich.

Und doch trage ich etwas Neues in die Welt.
Nur halt …. leise.

Du auch?

38 Kommentare Schreibe einen Kommentar

Schreibe einen Kommentar


:bye: 
:good: 
:negative: 
:scratch: 
:wacko: 
:yahoo: 
B-) 
:heart: 
:rose: 
:-) 
:whistle: 
:yes: 
:cry: 
:mail: 
:-( 
:unsure: 
;-)