Jesus Christus als Tabu in der Spiritualität?

Vielleicht geht es Dir wir mir: Du kommst aus einem christlichen Elternhaus und hast Dich dann irgendwann der Spiritualität zugewandt als Du in der Kirche nicht gefunden hast, was Du gesucht hast: eine lebendige, liebende Beziehung zum Göttlichen, zu Gott.
Auch ich bin auf eine jahrzehntelange spirituelle Suche gegangen. Ich entdeckte Achtsamkeit, Meditation, den Buddhismus, Jahreszeitenfeste, Schamanisches, die Natur als göttlich und vieles andere. In dieser Zeit war es mir schon fast unangenehm, wenn über Jesus gesprochen wurde. Obwohl ich von ihm als Gottes Sohn wusste, war er für mich der Sterbende, mit dem ich Schuld und eine Schwere verband. Das war für mich wenig attraktiv.

Im Laufe des letzten Jahres 2020 veränderte sich bei mir grundlegend etwas. Es war das Corona-Jahr und ein Jahr, bei dem sich durch Erlebnisse, Gotteserfahrungen und Offenbarungen mein Puzzle neu zusammenfügte. Ich bin dabei wieder bei Jesus Christus und dem christlichen Glauben angelangt – dieses Mal ist er für mich wirklich lebendig geworden!
Siehe meine vorigen Posts.

Deshalb frage ich jetzt:
Kann es sein, dass wir das Kind mit dem Bade ausgeschüttet haben?
Und dass Jesus und die Suche nach ihm fast schon ein Tabu in unserer Kultur ist?

Das Wort „Tabu“*

Das Wort ‚Tabu‘ – ursprünglich ‚tapu‘ – stammt aus dem Tonga Polynesiens und gehört zu den seltenen Wörtern, die aus Sprachen der ‚Naturvölker‘ in Sprachen westlicher Zivilisationen Eingang gefunden haben. Man sieht als die wahrscheinlichste Deutung, daß ‚ta‘ als kennzeichnen oder markieren und ‚pu‘ als kräftig oder intensiv zu verstehen sei: „Das Tabu also ist das kräftig Markierte“*. James Cook brachte dieses Wort im Jahre 1777 von seiner Südseereise nach England mit. Tabu war ein zentraler Ausdruck der reisenden Aufklärer, um zu erklären, was nicht innerhalb ihres Konzeptes der Vernunft zu erklären war*.
Sigmund Freud versteht die Bedeutung des Wortes als heilig und unrein zugleich*. Er hat damit das Heilige bereits mit Negativem belegt.

Jesus Christus und unsere spirituelle Suche

Warum suchen wir zwar Gott, aber nicht Jesus?
Warum haben wir eher einen Bezug zum Buddhismus als zur Bibel?
Obwohl wir fast alle hier christlich sozialisiert sind und unser ganzer Kulturraum davon durchdrungen ist?

Natürlich gibt es da Erklärungen wie die, dass
– die Landes-Kirchen einen unlebendigen Glauben leben und die jungen Menschen nicht innerlich erreichen
– die Kirche eine Historie von Gewalt, Machtausübung und Ungleichheit hat: Kreuzzüge, Mittelalter, Hexenverfolgung, Ablasshandel  – bis hin zur kath. Kirche heute, die Widerstand erregt (Rolle der Frau, Verhütung, Missbrauch…)

Die Erklärungen greifen mir aber noch nicht tief genug, denn das Ganze scheint mir in der Kultur fundamental verankert.
Und übrigens: wenn wir christlich schauen, geht es noch um eine andere – die geistliche Ebene – die den Verlauf beeinflusst! Dazu in weiteren Artikeln einmal mehr….

Einzug des Humanismus

Was wir ersteinmal sehen dürfen ist, dass der Humanismus uns durch die Aufklärung Einzug erhalten hat – mit Werten wie Toleranz, Gleichheit, Freiheit, Brüderlichkeit…
Das sind ähnliche Werte wie die Menschen sie bis dahin im Christentum lebten.

Der Humanismus bot Ähnliches an wie der christlicher Glaube
– aber als Werte.

Der Humanismus zog ein und gleichzeitig kam es dazu, dass 1807 in GB und 1865 in den USA die Sklaverei abgeschafft wurde. Und diese Werte führten auch zu den freiheitlich-liberalen Verfassungen (z.B. Frankreich 1791, USA 1787). Humanistische Werte wie die Menschenrechtserklärung, die Verfassungen der Länder enthielten Werte wie Ächtung und Verbot von Gewalt, Folter, Todesstrafe, Diskriminierung aufgrund Religion… Diese Werte und das humanistische Denken sind so zur Basis in unserer heutigen Gesellschaft geworden. Denn es gibt zwar bei uns noch eine Staatsreligion, was aber nicht heißt, dass ein geteilter, gelebter Glauben oberste Instanz unserer Republik wäre.
Was ist der Unterschied des Humanismus zu dem, was die Menschen an Orienterung aus der christlichen Ausrichtung nahmen? –

Der Humanismus funktioniert auch ohne Gott.
Und ohne Jesus sowieso.

Werte statt lebendiger Gott

Der lebendige Gott, der lebendige Glauben, die tägliche unmittelbare Beziehung zu Gott und seine Autorität für den einzelnen, was durch die Bibelübersetzungen ins Deutsche und die Reformation überhaupt erst möglich wurde, wurde sogleich durch einen Wert, durch ein Wertesystem ersetzt. 1521 war Luthers Widerrufsverweigerung vor dem Reichsgericht in Worms. Er prägte den Ausspruch:

„Sola fide, sola scriptura, solus Christus, sola gratia“
Martin Luther

Diese vier Soli fassen Luthers Theologie gut zusammen. Er sagt, Zugang zu Gott haben wir:
– allein durch den Glauben (= an Jesus Christus und sein Eintreten für uns vor Gott)
– allein die Schrift (= als einzige Autorität, seit Luther auch in deutsch)
– allein Christus (= als einziger Mittler/Weg zu Gott)
– allein durch Gnade (= ohne Verdienst unsererseits)

Jesus spricht zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater als nur durch mich!  Joh 14,6

Geht ein durch die enge Pforte! Denn die Pforte ist weit und der Weg ist breit, der ins Verderben führt; und viele sind es, die da hineingehen. Denn die Pforte ist eng und der Weg ist schmal, der zum Leben führt; und wenige sind es, die ihn finden. Mt 7,13-14

Opfertod Jesu

Nochmal genau hingeschaut: Warum braucht es den Opfertod Jesu? Was habe ich damit zu tun?
Jesus ist der Zugang zu Gott.
Er macht uns durch seinen Opfertod den Weg frei zu Gott.

Er hat uns durch seinen Körper – sozusagen durch den Vorhang im Tempel hindurch – einen neuen Weg zum Leben gebahnt.  Hebr 10,20

Denn es gibt nur einen Gott und nur einen Vermittler zwischen Gott und den Menschen: Das ist Jesus Christus, der Mensch wurde.  1Tim 2,5

Gott ist völlig rein. Menschen sterben in seiner Gegenwart, weil er so rein ist und sie unrein. Es ist keine Gemeinschaft mit Gott möglich, Menschen können nicht in der Gegenwart Gottes sein und Gott nicht mit ihnen. Sie müssen sich schämen und bedecken, es braucht ein gerechtes Opfer für das Abfallen von Gott. Deshalb gab es ein Opfertier und Felle für Adam und Eva und die Vertreibung aus dem Paradies für sie und alle ihre Nachkommen.

Das, was anstelle von Gott bei uns im Mittelpunkt steht, muss zur Disposition gestellt, geopfert werden. Auch heute. Denn es versperrrt den Weg zu Gott. Es macht ihm den ersten und einzigen Platz als allmächtigen Schöpfer streitig.
Was da anstelle von Gott heute bei uns meist auf Platz 1 steht – das sind wir selbst. Weil wir seit der Vertreibung aus dem Paradies um uns selbst kreisen.

Das ist Gottes Gerechtigkeit: er ist nicht nur bedingungslos liebend, er ist auch gerecht. Selbst seinem geliebten und ausgewählten Kind Mose musste er die Bitte ausschlagen, dass er Mose das Angesicht Gottes sehen wollte und Gott konnte sich nur von hinten im Vorbeiziehen zeigen – um Mose zu schützen.
Und er musste Moses Wunsch ausschlagen, nach 40 Jahren Wüstenwanderung in das versprochene Land einzuziehen, weil Mose einmal aus sich heraus gehandelt hatte ohne Gott vorab zu fragen.

Gott ist Wahrheit = Gerechtigkeit UND Liebe.
Beides.

Der einzige Mensch, der absolut rein war, war Jesus als Gottes Sohn. Als Gott selbst. Er bildet für uns die Brücke zurück zu Gott, als Mittler zu Gott.

Wer nun bekennt, dass Jesus der Sohn Gottes ist, in dem bleibt Gott und er in Gott. 1Joh 4,15

Alles andere, was mit einem „Licht“ oder Gott zu tun hat und Jesus ausspart darf uns suspekt sein! Zwei Coachees von mir waren vermeintlich mit Gott unterwegs. Beim genauen Hinschauen zeigte sich dass einer seit einem Autounfall mit einem „Licht“ im Gebet in Kontakt war, und eine andere Frau sich bei Entscheidungen stets von einem hellen Licht und Wohlgefühl auf ihre Fragen leiten ließ. Beide Wesen entpuppten sich aber als Geister, die nichts mit Jesus Christus und dem wahren Gott zu tun haben wollten als wir sie darauf ansprachen, ob sie der wahre dreieinige Gott seien. „Bennst Du Dich zum Vater und dem Sohn Jesus Christus, der Mensch geworden ist und wieder auferstanden ist?“ –  Sie reagierten mit unverständnisvollen Gegenfragen – richtig frech….!

und jeder Geist, der nicht bekennt, dass Jesus Christus im Fleisch gekommen ist, der ist nicht aus Gott. Und das ist der [Geist] des Antichristen, von dem ihr gehört habt, dass er kommt; und jetzt schon ist er in der Welt.   1Joh 4,3

Deshalb haben wir in der Tat das Kind mit dem Bade ausgeschüttet, wenn wir zwar nach Gott suchen, aber Jesus Christus dabei aussparen. Das gesellschaftliche Tabu Jesus Christus gegenüber darf uns aus all den genannten Entwicklungen heraus insofern eher hellhörig machen.

Und wir wissen, dass der Sohn Gottes gekommen ist und uns fähig gemacht hat, den wahren Gott zu erkennen. Mit ihm, dem Wahrhaftigen, sind wir in seinem Sohn Jesus Christus verbunden, der selbst der wahre Gott und das ewige Leben ist.  1Joh 5,20

Ich darf mich deshalb immer wieder fragen, wenn ich Gott suche: Wie ist mein Verhältnis zu Jesus Christus?

Vielleicht sind bei Dir jetzt Fragen aufgekommen. Oder Du hast eine Resonanz zu dem, was Du hier liest – dann schreib gern Fragen oder Kommentare in den Chat!

Alles Liebe Dir von Birte

*https://www.kuwi.europa-uni.de/de/lehrstuhl/ehemalige_professoren/sw2/forschung/tabu/herkunft/index.html

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